Kilimanjaro-Reisebericht

Von 17. März 2013 Allgemein Keine Kommentare
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Für alle, die es ausführlich mögen, hier der Reisebericht meiner Kilimanjaro-Besteigung über die Rongai-Route 2013. Die Fotos dazu gibt es in einem separaten Eintrag.

Tag 1 – 13. Februar

Vom Park Gate in Nale Moru (1950m Höhe) zu Sekimba Camp (2600m Höhe)
Strecke 8 km, Dauer 3,5h, 650 Höhenmeter

Am 13. Februar wurde es ernst – Wanderschuhe schnüren! Die erste Hürde dabei bestand am Vorabend darin, die Rucksäcke gewichtsvorgabenkonform zu packen. Den Trägern darf jeder Wanderer maximal 15 kg Gepäck zumuten. Das bedeutete einen langwierigen Kreislauf aus wiegen und umpacken, bis die Obergrenze ausgereizt aber nicht überschritten war. Zudem sollte der Tagesrucksack nicht zu schwer sein – manche lagen in der ersten Packrunde bei 12-13 kg. In meinem Fall, bedingt auch durch die fast 2 Kilo schwere Kamera, ging die Optimierung des Tagesrucksackinhalts so weit, dass ich nochmal alles reduzierte, was möglich war, inklusive einzelner Batterien und Tablettenpackungen. Irgendwann kurz vor Mitternacht lag ich bei gut 6 kg ohne Wasser und war zufrieden.

Anschließend folgte die letzte Nachtruhe im luxuriösen Hotel und die letzte Dusche für die kommende Woche. Wir fuhren am Morgen von Marangu zum Beginn der Route im Prinzip um den Berg herum von der Südostseite zur Nordwestseite. Nach zweistündiger Fahrt ging es endlich los. Am Startpunkt nahe dem Dorf Nale Moru, wo die Rongai Route beginnt, trafen wir einige unserer afrikanischen Fühler und Träger. Unser Gepäck wurde abgeladen und den Träger übergeben. Etwas Sonnencreme etwas Moskitospray drauf und los ging’s. Es war recht angenehm warm bei etwa 23-25 Grad. Also kurze Hosen. Wir waren zu elft in der Gruppe – alle von Accenture. Wir waren aus Teilnehmer aus der Schweiz, aus Deutschland, aus Großbritannien und aus den USA. Dazu kamen unser Arzt Doug aus England und unsere Tour Leader Rhiannon aus Wales, die jedoch mittlerweile in Afrika wohnt. Insgesamt kamen gut 40 Afrikaner hinzu – Träger, Köche, Führer. Also eine große Truppe, die man jedoch kaum sah. „Pole pole“ – zu Deutsch „immer langsam“ so das Motto der ersten Schritte. Wir gingen wirklich sehr langsam. Doch gut so – man muss sich ja schließlich akklimatisieren an die Höhe. Die Landschaft ist anfangs recht waldig, hier stehen noch recht dichte Wälder mit sowohl Nadel- als auch Laubbäumen. Bald werden wir von unseren Trägern mit unserem uns ihrem eigenen Gepäck überholt – stark beladen und mit einem sehr beeindruckenden Tempo. Unfassbar, was die Jungs so alles schleppen. Nach gut 3 Stunden kommen wir in unserem ersten Lager an – wir müssen uns ins Lager-Buch eintragen – sozusagen einchecken – und gehen dann zu unseren Zelten, die bereits aufgebaut sind. Ebenso Küche, Gemeinschaftszelt, Toiletten und das Lager der Crew. Die Träger waren also nicht nur schnell, sondern auch eifrig. Es beginnt zu regnen, deshalb legen wir unsere Regen dichten Klamotten an. Es geht noch auf einen Akklimatisierungs-Trek circa 30 Minuten bergauf dann wieder zurück. Dann beginnt die „militärische“ Lager Routine. Zunächst Washi Washi, also eine Plastikschüssel mit schön warmem Wasser – die einzige Möglichkeit, sich zu waschen in den nächsten Tagen am Berg. Also einmal Körperpflege im Zelt mit vereinfachten Mitteln. Doch wie erwartet fühlt man sich danach wieder ziemlich fit. Nun gibt es im großen Zelt Snacks. Alles ist angerichtet – Popcorn, Nüsse und andere Snacks, dazu Heißgetränke und Wasser.

Die Infrastruktur, die komplett hoch getragen wird, ist sehr beeindruckend. Toiletten wurden auch eigens für uns Hoch geschleppt. Recht einfache chemische Toiletten die in einem Zelt stehen – man stelle sich eine Kühlbox vor als Klo, mit einem Zelt drumherum. Hier am Berg reinster Luxus. Am frühen Abend gibt es dann das üppige Abendessen – sehr lecker mit drei Gängen. Vorspeise aus Suppe, Hauptgang und Nachtisch – superlecker. Unsere afrikanische Crew ist dabei sehr auf Zack. Die Abläufe sind sehr fix und effizient. Nach dem Essen gibt es noch ein Briefing von unserem Guide für den nächsten Tag mit klaren Anweisungen. Dazu gehört Kleidung, Wasserbedarf für den Tag, die Route und natürlich die Uhrzeiten. Es geht wie gesagt ein wenig zu wie beim Militär, aber anders läuft die Sache auch nicht. Und danach geht es ins Zelt zum Schlafen, was in der ersten Nacht noch etwas gewöhnungsbedürftig ist und in meinem Fall auch eher weniger funktioniert. Denn die 5 Liter Wasser, die ich am Tag trank, forderten dann nachts ihren Tribut.

Tag 2 – 14. Februar

Von Sekimba Camp (2600m Höhe) zu Kikelewa Camp (3600m Höhe)
Strecke 10 km, 8h Dauer, 1000 Höhenmeter

An Tag zwei wird es erstmals anstrengend. Nach sehr wenig Schlaf beginnt die morgendliche Routine – d.h. geweckt werden um 6:00 Uhr und dem Morgenkaffee, der einem ans Zelt gebracht wird. Anschließend kurzes Washi Washi und ausgiebiges Frühstück im großen Zelt, wie immer mit einer kräftigen Portion Porridge zum Start. Nach dem Frühstück sind unsere kleinen Zelte bereits abgebaut. Alles läuft wie gesagt sehr effizient. Wir gehen frisch bepackt und fit los – manche immer noch in kurzen Hosen. Ich entscheide mich für die lange Variante, und außerdem werden erstmals Wanderstöcke eingesetzt. Dann heute stehen fast 1000 Höhenmeter auf steinigem Untergrund über 8 Stunden an.

Teils ist es heiß , teils nieselt es ein wenig. Wir passieren mehrere Höhlen und sehen erstmals den Berg mit Gipfel vor uns – eine spektakuläre Ansicht. Wir passieren die Baumgrenze und sind noch von recht hohen Büschen umgeben. Abends macht sich wie erwartet Erschöpfung breit – der Weg war tatsächlich nicht ganz ohne, und 1000 Höhenmeter sind auch nicht gerade wenig. Bei mir und einigen anderen zeigen sich leichte Zeichen von Kopfschmerzen durch die Höhe, die sich jedoch bald verflüchtigen.

Den Rest besorgt das erneut opulente Abendmahl. Wie jeden Abend gibt es eine Suppe (z. B. Ingwer, Kartoffel, Brokkoli), die sehr stark gesalzen ist (Energie und Rehydration) , einen Hauptgang (z.B. Gulasch, Spaghetti, Gemüseeintopf, mit Fisch/Fleisch) und einen Nachtisch (frisches Obst, wahlweise auch frittiert). Das Camp bietet direkten Ausblick auf beide Gipfel – Mawenzi und Kilimanjaro, bei Dunkelheit kommt ein dicht bespickter Sternenhimmel dazu. Natur spektakulär.

Tag 3 – 15. Februar

Von Kikelewa Camp (3650m Höhe) zu Mawenzi Tarn Hut (4300m Höhe)
Strecke 5 km, 3h Dauer, 650 Höhenmeter

Wir starten wie gehabt nach dem Aufstehen um 6:00 Uhr und Frühstück anschließend um circa 7:30 Uhr mit der Tagesetappe. Die Sonne scheint, ich bin ausgeschlafen, und die Laune ist bestens. Der Aufstieg ist heute eher kurz mit 3 Stunden, aber sehr steil. Wir haben wieder freie Sicht auf den Kilimandscharo. Die Landschaft wird weiter karger – es wird steiniger und Büsche sind nur noch in kleinerer Form vorhanden. Unsere afrikanischen Bergführer sind wieder super hilfreich und unterhaltsam. Der Motivationsspruch zur Besteigung des Tages ist „Don’t worry – it’s a very shy mountain – it’s hiding in the clouds already“. Und tatsächlich wird der Gipfel jeden Tag ab spätem Vormittag von Wolken umhüllt. Zudem ermuntern uns die Guides ständig, viel zu trinken – Prävention gegen die Höhenkrankheit. Und zudem lernen wir einige Sprüche auf Swahili. Gegen 13:00 Uhr sind wir bereits am Ziel (Mawenzi Tarn Hut) angekommen.

Das Lager liegt an einem See direkt vor unterhalb des Mawenzi, dem zweiten Gipfel des Kilimandscharo-Massivs. Hier ist die Landschaft nun karg und alpin – es gibt eigentlich nicht viel Grünes mehr zu sehen. Die Lage des Camps ist trotzdem spektakulär. Wieder ist unser Camp bereits aufgeschlagen. Bei der Ankunft ist das Essen schon fertig – warmes Mittagessen, fantastisch wie immer. Danach geht es gleich auf eine Akklimatisierungs-wanderung – circa 1 Stunde im Aufstieg. Der Weg ist sehr steil, bis auf circa 4600 m Höhe. Am höchsten Punkt der Wanderung sind wir auf einem steinigen Gebirgskamm. Dort sehen wir auf den Mawenzi, und auch auf den Kilimandscharo in weiter Ferne einschließlich des Hochlagers, von dem aus der Gipfelsturm startet. Über dem Hochlager ist auch auf die Entfernung die Route zum Kraterrand zu erkennen – schaut aus der Ferne extrem steil und ein wenig einschüchternd aus. Wir steigen wieder ab, und bei einigen kehrt wieder leichter Kopfschmerz ein. Kein Wunder auf 4300m.

Nach der Rückkehr und dem Essen geht früh ins Zelt zum Schlafen, denn die Nacht wird kalt – sehr kalt. Ich packe mich in die dicke Daunenjacke ein, trage Handschuhe und Mütze und liege natürlich im super dicken Daunenschlafsack. Hauptsache warm! In der Nacht gibt es dann ein wenig Aufregung in unserem Lager, denn in ein Zweierzelt unserer Gruppe ist eine Maus eingedrungen, als einer der beiden zur Toilette wollte und das Zelt öffnete. Nach einigen recht lustigen Versuchen der Zeltbewohner, die Maus zu fangen (z. B. mit Handschuhen), kehrte irgendwann wieder Ruhe ein. Die Maus wurde nie wieder gesehen.

Tag 4 – 16. Februar

Akklimatisierungstag von Mawenzi Tarn (4300m Höhe) auf ca. 4700m und zurück
Strecke ca. 4 km, 3h Dauer, 400 Höhenmeter im Aufstieg, 400 im Abstieg

Wir haben einiges an Eisresten auf den Zelten, als wir morgens aufwachen, die Nacht war in der Tat kalt mit deutlichen Minusgraden.  Der Tag beginnt weniger stressig als sonst, da wir heute in diesem Lager bleiben und somit nicht unsere Sachen zusammenpacken müssen. Wir wandern heute nicht weiter entlang der Strecke, sondern legen einen Akklimatisierungstag ein. Ich bin fit und ausgeschlafen, und freue mich auf den Aufstieg in Richtung Mawenzi über steile Pfade auf losem Geröll, die uns auf die Gipfelnacht vorbereiten sollen, denn dort herrscht ähnliches Terrain. Bei diesem Aufstieg auf der Höhe bleibt uns durchaus auch mal die Puste weg – Unterhaltungen gibt es deutlich weniger in der Gruppe. Die Lunge signalisiert heute auch recht deutlich, dass sie ganz gerne etwas mehr Sauerstoff hätte. Die Aussicht von diesem hohen Punkt ist wieder teils spektakulär und durchweg hochalpin, doch bald ziehen Wolken auf. Zurück im Camp ist Zeit zum Entspannen angedacht, die ich eigentlich für ein paar Fotos nutzen möchte, doch das Wetter spielt nicht mit. Regen – also Kartenspielen im Gruppenzelt.

Das Abendessen schmeckt so gut wie immer, obwohl wir erfahren, dass unser Koch wegen akuter Höhenkrankheit absteigen musste. Für ihn hatte einer der Träger als Ersatzkoch übernommen. Trotzdem fantastisch, an diesem Abend gibt es Spaghetti Bolo. Am Abend hagelt es schon, also eine weitere kalte Nacht. Unser Washi-washi am Abend ist das letzte für die nächsten 1,5 Tage, da es am Hochlager nicht genug Wasser gibt zum Waschen. Also heißt es nochmal richtig frisch machen, damit es keinen Ärger mit dem Zeltnachbar gibt!

Tag 5 – 17. Februar

Von Mawenzi Tarn Hut (4300m Höhe) zu Kibo Hut (4700m Höhe)
Strecke 8 km, 5h Dauer, 400 Höhenmeter

Der Marsch zu unserem letzten Lager, dem Hochlager „Kibo Hut“, führt uns durch die Mondlandschaft des Sattels zwischen Mawenzi und Kibo, den zwei Gipfeln des Massivs. Der Anstieg ist anfangs steil, dann geht es flach und geradeaus durch eine Mondlandschaft. Außer ein paar Felsbrocken gibt es hier nichts zu sehen. Und wenige Stellen, um unentdeckt ein Wässerchen zu lassen. Es ist sonnig und windig, nicht unbedingt kalt, aber frisch. Auf etwas halber Strecke passieren wir ein Flugzeugwrack – eine kleine Propellermaschine, die hier abgestürzt ist, nachdem sie bei schlechter Sicht den Mawenzi gestreift hat. Ein gespenstischer Anblick. Insgesamt ist die Mondlandschaft spektakulär. Wir laufen gerade auf das Hochlager am Fuß des Kibo zu, sehen wieder die Route zum Kraterrand, und fragen uns erneut, wie zum Geier man dort hochkommen soll. Gegen 12.40 Uhr kommen wir dann am Hochlager an, und verewigen uns wie immer im Buch der Ankommenden im Lager. Gerade kehren zwei Wanderer vom Gipfel zurück, als wir einchecken – gut verstaubt und guter Laune.

Der Rest des Tages gilt der optimalen Vorbereitung (d.h. Essen und Schlafen) auf den Gipfelsturm, der noch in derselben Nacht beginnen wird. Wir essen zu Mittag, dann folgt das Briefing mit unserer Bergführerin für die kommende Tortur der Gipfelbesteigung. Sie erklärt den Aufstieg über 1200 Höhenmeter zum Kraterrand und dem Gipfel in der eisigen Nacht recht kurz und beschreibt ihn als „absolut machbar“,  doch wir sind natürlich trotzdem angespannt, und es wird nicht viel gesprochen. Wir schlafen von 15 bis 17 Uhr, essen dann erneut (Mästung für die anstehenden Strapazen!), und um 18 Uhr geht es erneut in den Schlafsack, um ein paar Stunden Schlaf zu erhaschen, bevor um 23 Uhr der Wecker erneut klingelt.

Tag 6 – 18. Februar

Von Kibo Hut (4700m) zum Gipfel/Uhuru Peak (5895m) zu Horombo Hut (3700m)
Strecke 21 km, 14h Dauer, 1200 Höhenmeter Aufstieg / 2200 im Abstieg

Und so ging es um 23 Uhr aus den Federn. Ich bin begeistert, sogar ein paar Stunden geschlafen zu haben. Dann wieder essen – Porridge diesmal, um den Energiespeicher vollzuladen. Und dann los in die Nacht der Nächte. Zur Orientierung: Gut 1000 steile Höhenmeter liegen unmittelbar vor uns zum Kraterrand, den steilen Hang im Zickzack hinauf, bis zu „Gilman’s Point“ auf 5685m. Dort werden wir gegen 6 Uhr sein, also rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Anschließend geht es noch 1,5-2 Stunden weiter zum Gipfel, am Krater entlang. Soweit der Plan und die Theorie.

Die ersten Schritte in der Dunkelheit helfen, um warm zu werden und sich an das wenige Licht zu gewöhnen. Wir tragen unsere Stirnlampen, sind extradick eingepackt, und marschieren sehr langsam im Gänsemarsch. Die Temperaturen sind auszuhalten – es ist natürlich frisch, aber von den zu erwartenden -20 Grad sind wir noch weit entfernt. Nach kurzer Zeit überholen wir eine andere Truppe, die noch wesentlich langsamer geht als wir, und ich frage mich, wie die es überhaupt nach oben schaffen wollen. Wie immer geht der afrikanische Head Guide voraus bei  uns und bestimmt das Tempo. Die Gruppe wird leicht auseinandergezogen, da wir wie immer ein paar ambitionierte unter uns haben, die zu schnell gehen, was auch das Tempo des Guide unfreiwillig erhöht. Deshalb wechseln wir nach einiger Zeit die Reihenfolge – ich werde nach vorne geschickt hinter den Guide, um das Tempo zu drosseln. Mein Ruf als lahme Schnecke kommt mir also endlich mal zu Gute.

Nach einer Stunde gehen die Wehwehchen bei mir auch schon los. Zunächst Schwindel – ich bin froh, mit Stöcken zu gehen, da ich mich sonst wohl schon auf die Nase gelegt hätte. Mit etwas Wasser und Essen geht es bald wieder. Als nächstes fängt sich meine Kontaktlinse ordentlich Staub ein, so dass ich auf dem Auge kaum sehe. Also Wechsel auf Brille. Als nächstes beginnen Rücken- und Kopfschmerzen, wahrscheinlich vom Rucksack, deshalb gebe ich ihn an einen der Träger.

Unsere afrikanischen Guides laufen in dieser Nacht zu Höchstform auf. Sie tun alles erdenkliche, um uns diesen elenden Hang hinauf zu bekommen. Sie fragen regelmäßig nach dem Befinden, reichen uns unsere Wasserflaschen, stellen sicher, dass wir genug essen, und vor allem machen sie Witze und singen. Was genau sie singen, keine Ahnung, doch für die Motivation ist es 1a. Und so gehen wir 6 Stunden lang den Hang hinauf – es wird noch eine gute Ecke kühler und einigen gefriert wie erwartet das Wasser in den Camel Bags und Flaschen. Geschätzt wird es jedoch nicht kälter als -5 oder maximal -10, wir haben also Glück mit den Temperaturen. Pausen gibt es alle 30-45 Minuten. Und irgendwie vergeht die Zeit dann doch erstaunlich schnell, trotz der Monotonie der Dunkelheit und es ewigen Zickzacks. Plötzlich heißt es, wir seien kurz vor dem Kraterrand. Dort angekommen, am Gilman’s Point, pausieren wir und warten bei Tee und Kaffee auf den Sonnenaufgang. Der kommt auch in Kürze – genau hinter dem Gipfel des Mawenzi, absolut spektakulär. Mit der Sonne kommt auch die Motivation, weiterzugehen. Ich bin mittlerweile spürbar schlapp von der Höhe, und die Kopfschmerzen werden auch nicht besser. Weiter geht es nun am Krater entlang, und tatsächlich geht es Richtung Krater rechts richtig steil bergab, die Devise also: bloß nicht abrutschen. Wir waten teils durch ca. 30 cm tiefen Schnee, eher selten hier. Der Weg zieht sich nun enorm bis zum Gipfel. Die aufgehende Sonne taucht den ganzen Krater- und Gipfelbereich in geniales Morgenlicht, doch mehr als ein paar Schnappschüsse sind in der aktuellen Verfassung nicht drin. Wir passieren Stella’s Point, pausieren erneut kurz, laufen am Rebman Gletscher vorbei, und mit letzten Kräften schleppe ich mich weiter zum Gipfel.

Gegen 8 Uhr sind wir tatsächlich dort, markiert durch ein selten hässliches grünes Schild. Dann große Freude, Euphorie, Erleichterung bei allen. 5895m Meter, höchster Berg Afrikas. Ein gigantisches Gefühl, nicht zu beschreiben. Die Aussicht ist ebenfalls bombastisch. Alle aus unserer Gruppe haben es zum Gipfel geschafft, was äußerst selten ist, da die übliche Erfolgsrate bei nur 40% liegt. Einige von uns sind allerdings schon recht angeschlagen – so auch ich. Deshalb dürfen wir unsere Gipfelfotos als erste machen (juhu!) und uns dann schon auf den Rückweg machen. Dieser gestaltet sich äußerst langwierig. Selbst einfache Dinge wie Trinkflasche aufdrehen, oder Schuhe binden sind extrem anstrengend, und die Guides müssen uns teils helfen. Der Arzt prüft zwischendurch, da ich arg unfit wirke, meinen Puls und Blutsauerstoffgehalt – letzterer liegt bei 78%. Irgendwann bin ich alleine mit einem Guide auf dem Weg nach unten – sehr langsam. Bei Tageslicht sehen wir erst, was für eine Route wir nachts zurückgelegt haben – eine ewig lange steile Schotterpiste. Dort geht es nun hinab, immer noch mit Kopfschmerzen. Nach 2 Stunden bin ich im Camp angekommen und gleich wieder spürbar fitter. Höhe macht den Unterschied. Wir entspannen eine Stunde, dann geht es weiter – es liegt noch 1200 Höhenmeter Abstieg vor uns ins nächste Lager, denn am Berg gilt: langsam hinauf, schnell wieder herunter. Wir steigen jedoch nicht über die Rongai-Route auf,  über die wir gekommen sind, sondern über die Marangu-Route.

Diese nächste Etappe am Nachmittag ist äußerst entspannt. Das Ziel ist erreicht, und wir können uns auf die Landschaft konzentrieren. Wir durchqueren wieder die Mondlandschaft des Sattels und gehen weiter bis auf 3700m hinab, ins Horombo Camp, einem sehr schön gelegenen Lager mit Blick sowohl auf die Berggipfel als auch ins Tal hinab. Nach dem wohlverdienten Abendessen und der obligatorischen Erfolgs-SMS nach Hause hat an diesem Abend niemand Einschlafprobleme im Zelt.

Tag 7 – 19. Februar

Von Horombo Hut (3700m) zu Marangu Gate (1840 m)
Strecke 18 km, Dauer 6h, 1900 Höhenmeter im Abstieg

Wir wachen gegen 6.30 Uhr auf, und uns erwartet ein hochspektakulärer Sonnenaufgang. Nach dem Frühstück folgt die traditionelle Trinkgeldzeremonie, bevor es losgeht. Dabei wird das Trinkgeld an die afrikanische Crew verteilt, die allesamt (mehr als 40 an der Zahl) aufgereiht stehen. Jede Gruppe (Träger, Führer, etc.) bekommt einen Teil des Trinkgeldes in einem Umschlag – alles wird vom afrikanischen Gruppenführer sehr transparent verteilt, um jeglichen Verdacht von Korruption oder Betrug zu vermeiden. Die Zeremonie endet traditionsgemäß darin, dass die Truppe einige Lieder zum Dank singt – u.a. wieder das unvermeidliche Kilimanjaro-Lied. Die Trinkgelder sind ein wichtiges Einkommen für die Afrikaner, da die eigentlichen Gehälter sehr gering sind. So gibt jeder aus unserer Gruppe etwa 150 US$. Das ist mehr als richtig, denn schließlich haben die Jungs (und Mädels) exzellent gekocht, unseren Kram geschleppt und mit ihrer Motivation und ihren Tipps dafür gesorgt, dass wir es allesamt auf den Gipfel schaffen.

Die anschließende Wanderung dauert gut sechs Stunden und führt durch eine immer grünere Landschaft entlang der Marangu-Route. Gegen Mittag passieren wir Mandara Hut auf 2700m, das erste Camp beim Aufstieg auf der Marangu-Route. Dort leisten uns einige Affen beim Mittagsessen Gesellschaft. Anschließend geht der Weg in den Regenwald. Wir sind von den Gipfelstrapazen noch etwas schlapp, und so ist selbst der Abstieg auf dem teils sehr unebenen Weg anstrengend – vor allem für die Knie. Die Landschaft und die Aussicht auf die Gipfel ist wiederum erste Klasse. Schließlich sind wir gegen 13.20 Uhr am Gate zum Nationalpark auf 1840m angelangt, wo die Wanderung offiziell beendet ist. Die Sonne brennt, und manch einer gönnt sich gleich am Gate ein Siegerbier. Nachdem wir alle ausgecheckt haben, geht es per Bus weiter zum Hotel. Dort wartet grandioser Luxus auf uns: Dusche, Pool, Bett, und das Abschlussessen.

Für die Statistiker hier noch ein paar Fakten und Zahlen:

Das waren mehr als 4000 Höhenmeter je im Aufstieg und im Abstieg, über eine Strecke von über 75 km und einer Gehzeit von über 45 Stunden. Trotz massig Essen jeden Tag habe ich mit 7 Kilo knapp 10% meines Körpergewichts abgenommen bei der Wanderung. Es war wohl doch anstrengend!